Der Bau der Johanneskirche
von Architekt Werner Johannsen, BDA, Osnabrück zur Einweihung der Johanneskirche
Mehr denn je geht durch unsere Gemeinden, die durch ihre Neubautätig­keit immer größer werden, der Ruf nach neuen Gotteshäusern. Hierbei geht es nicht allein um die Erfüllung notwendiger praktischer Bedürfnisse, hier drängt vielmehr ein echter Bauwille nach Sichtbarmachung des Glaubens und des Gemeindelebens. So darf auch das Bemühen der Gemeinden Hunnebrock, Hüffen und Werfen - nämlich für diese drei Gemeinden wurde diese neue Johanneskirche gebaut - gesehen werden.
 
Schon vor einigen Jahren war als erster Bauabschnitt das Paul-Gerhardt-Haus mit Gemeinderäumen und Kindergarten und das Pfarrhaus an dieser neuen Wohnstraße gebaut worden. Zwischen den beiden Gebäuden war der Neubau der Kirche vorgesehen. Bei der Formulierung des Baupro­gramms ergab sich jedoch, dass dieser Platz zu klein war, zumal auch für die Zukunft ein größerer Gemeindesaal geplant werden musste. Durch einen glücklichen Ergänzungsankauf konnte das Grundstück vergrößert werden. Dadurch war es möglich, die Kirche mehr als einen Steinwurf weit südlich der Wohnstraße zu planen. "Kirche im Grünen" nennt man sie, und wenn die gesamte Grüngestaltung einmal fertig sein wird, wird sie diesen Beinamen auch zu Recht tragen.

Der Turm ist durch einen Zwischenbau von der Kirche abgesetzt. Ihm gegenüber wird auf der rechten Seite des Kirchplatzes einmal der Ge­meindesaal stehen. Somit wird der Kirchenvorplatz von Kirche, Zwischen­bau und Turm und Gemeindesaal dreiseitig eingeschlossen und wird vor und nach der Kirchzeit der Sammlungsplatz der Gemeinde sein. Ihm vor­gelagert bis zur Wohnstraße wird der heute so notwendige Parkplatz ent­stehen.
Sämtliche Außenflächen von Kirche und Turm sind aus handgeformten holländischen Backsteinen gestaltet, Fenster und Gesimse sind weiß ge­strichen. Das Dach ist mit dunklen Ziegeln, die Turmspitze mit Kupfer eingedeckt. An dem vorgelagerten Platz befindet sich ein überdeckter Gang, der den Haupteingang mit dem Eingang zur Sakristei im Zwischen­bau verbindet und der die Gemeinde beim Verlassen der Kirche zum Ver­weilen einlädt. Die zweiflügelige Haupteingangstür ist mit Kupfer belegt. Daneben sind links und rechts Streifen in Betonglas, die den Windfang beleuchten. In der Eingangshalle befindet sich der Aufgang zur Empore. Die rückwärtige Wand der Eingangshalle ist verglast und gibt noch einmal den Blick frei zu einem pergolaartig überdeckten Vorraum. Hier soll eine Plastik Aufstellung finden. Der Fußboden ist mit Kieselplatten belegt, während die Wände aus rotem Backstein gemauert sind. Durch fünf zwei­flügelige Eingangstüren kann man den Kirchenraum betreten. Bei überfüllter Kirche kann die Vorhalle den Kirchenraum erweitern.
Die Kirche ist geostet und hat neben dem Mittelschiff als Erweiterung zwei Seitenschiffe; diese umfassen mit dem westlichen Vorbau als ein­geschossige Baukörper das Kirchenschiff und sind Maßstab zu dem hohen basilikaartigen Hauptschiff. Das Ganze wirkt von außen wie eine "feste Burg", indem sie äußerlich schon zeigen will, dass das Innere Ruhe und Geborgenheit birgt, die sich dem zu Anbetung und Stille hier Wei­lenden mitteilen.
Das Mittelschiff als klar gerichteter Raum - Sonntagskirche - erhält seine Belichtung durch zwei hoch liegende Fensterbänder. Das Betonglas­fenster hinter dem Altar deutet die zentrale Mitte des Raumes und des Geschehens an. Das kleinere linke Seitenschiff ist durch eine transparente Wand, die farbig verglast ist, erleuchtet und ist mit dem rechten Seiten­schiff, das kleine, ebenfalls farbig verglaste Fenster hat, die Erweiterung und damit gleichzeitig die Festtagskirche. Im rechten Seitenschiff befindet sich die Taufe, die betont wird durch ein großes künstlerisch gestaltetes, auf die Taufe hinweisendes Betonglasfenster.
Altar und Taufe sind aus Naturstein gestaltet. Der Fußboden des Kir­chenschiffes und des Altarraumes ist mit Natursteinen (Alta-Quarzit) belegt. Die Decke ist aus hellem Holz verbrettert, das Gestühl ist aus hellem Eschenholz. Durch die vorher genannten Baustoffe und die Raum­form mit ihrer Belichtung ist ein Raum mit intensiver sakraler Wirkung entstanden.
Es ist für einen Architekten immer eine schwierige Gewissensfrage, ob das, was er heute baut und allgemeine Zustimmung findet, auch noch für die nachfolgenden Generationen gut und zweckvoll ist. So hofft man, dass die gute technische Qualität, die Beschränkung auf einfache, saubere und kraftvolle Form über die Zeit der heute Lebenden hinaus Bestand haben mögen.

Die Johanneskirche in Zahlen:
Kirchenschiff:    Turm:    Sitzplätze:
Länge: 27,5 m    Höhe bis zum Dach: 25,5 m    Mittelschiff: 240
Breite: 15,2 m    mit Spitze: 30 m    Südliches Seitenschiff: 60
Höhe: 8,4 m    mit Kreuz und Hahn: 34 m    Empore: 50
(Erweiterung: 150)

Planung der Glocken

KMD Arno Schönstedt, Herford, anlässlich der Einweihung der Johanneskirche 1962
Wenn am heutigen Tage unsere neue Kirche in den Dienst der Gemeinde gestellt wird, rufen noch keine Glocken vom hohen Kirchturm, und es hilft noch keine Orgel, unseren festlichen Gottesdienst musikalisch zu betreuen. Ein ausreichendes Geläut und eine der Größe unserer Kirche entsprechende Orgel zu schaffen, sind Aufgaben, die noch vor uns liegen und zu deren Verwirklichung jeder Einzelne von uns durch sein Opfer tatkräftig mitzuhelfen aufgerufen ist.
Über das einmal aufzuhängende Geläut und die zu bauende Orgel haben aber schon Besprechungen stattgefunden, und es bestehen bestimmte Pläne, über die hier einige Angaben gemacht werden sollen.
Der weithin sichtbare Turm beherbergt in seinem obersten Teil eine geräumige Glockenstube, die mit Schallöffnungen nach allen 4 Seiten versehen ist. Hier soll in naher Zukunft ein Geläut mit vier Bronze­glocken aufgehängt werden, das den Ruferdienst in unserer Gemeinde übernehmen wird. Die Glocken werden zu unseren Gottesdiensten rufen und bei allen besonderen Anlässen unseres Gemeindelebens - bei Freud und Leid - ihre Stimme erklingen lassen. Die Glocken erhalten die Schlagtöne
e' - fis' - a' - h' Diese Tonfolge stellt eine Verbindung zwischen dem altkirchlichen GLORIA - und dem TE DEUM-Motiv dar.