Ein neues Glas für den sakralen Raum

von Heinz Lilienthal, Bremen, Atelier für Glasmalerei und Mosaik zur Einweihung der Johanneskirche 1962


 
Vergleicht man die Fenster alter Kirchen mit denen zeitgenössischer Künstler, so könnte man bei oberflächlicher Betrachtung zu dem Schluss kommen, dass der Ausdruck und die Leuchtkraft der alten Fenster heute nicht mehr erreicht werden können. Tatsache ist, dass einige besonders leuchtende Farben heute wirklich nicht mehr hergestellt werden können, jedoch ist das nicht entscheidend. Wenn man bei den heutigen Fenstern nicht mehr die Glut der Farben spürt, die einen bei der Betrachtung alter Fenster so sehr beeindruckt, so liegt es daran, dass die neuen Kirchen einfach nicht mehr die Weiten besitzen, um die Fenster in der erforder­lichen Distanz zu betrachten. Außerdem hat sich auch das allgemeine Stil­empfinden sowohl bezüglich der Farbstellung als auch der Lichtführung im . Kirchenraum sehr gewandelt. Zeigen die alten Kirchen meist ein mystisches Licht, so sind die modernen Kirchen lichtdurchflutet. Doch gerade darum versucht der moderne Architekt an besonderen Stellen Punkte zu schaffen, bei denen Fenster eine besondere Leuchtkraft zeigen. Bei dem allgemeinen Bestreben zur Rückkehr auf das Wesentliche, das Ursprüngliche beim Kirchenbau fand man in dem so genannten Dali- bzw. Betonglas ein Material, mit dem man sehr gut arbeiten kann. Es waren die Franzosen, die dieses Material unmittelbar nach dem Kriege ent­wickelten. Von hier aus verbreitete es sich sehr schnell in ganz Europa. Im Gegensatz zur Bleisprosse, die das Gerüst der überlieferten Bleiverglasung bildet, wird hier mit Beton als verbindendem Material gearbeitet. Da das Betonglas nur auf ungefähre Maße geschlagen werden kann, wird der Künstler gezwungen, die Formen weitgehend zu vereinfachen. Gerade dadurch erhalten diese Fenster eine Wirkung, die mit den alten Fenstern vieles gemeinsam hat. Denn auch die alten Fenster sind von besonderem Reiz dadurch, dass es damals weder einen Glasschneider zum Schneiden des Glases noch maschinell gefertigte Bleisprossen gab. Die Stärke des Betonglases und die Struktur machen bei fast edelsteinhafter Transparenz eine Durchsicht selbst auf kürzeste Distanz unmöglich.
Ein weiterer Vorteil dieses Materials besteht darin, dass man damit nicht nur Fenster, sondern ganze Lichtwände gestalten kann. Außerdem sind diese Fenster, die nur aus Beton und Glas bestehen und aus diesem Grunde mit dem Mauerwerk direkt verbunden werden, von größter Dauerhaftigkeit.
Die Gestaltung der Kirchenfenster und der Empore

von Pfarrer August Spreen anlässlich der Einweihung der Johanneskirche 1962
I. Das Altarfenster (Entwurf: Ruth Engstfeld, Ibbenbüren)
Beim Betreten des schlichten hohen Kirchenschiffes fällt unser Blick auf das Fenster in der Altar-Rückwand. Er erinnert an die alten Flügelaltäre in Kreuzform: Ein großes Mittelfeld mit den beiden schmalen Seitenstücken.
1. Das große Mittelfeld
"Jesus Christus - der erhöhte Herr der Welt und der Gemeinde" Offb. Joh. 1
So hat der greise Apostel Johannes, als er um des Wortes Gottes und um Jesu Christi willen auf der Insel Patmos verbannt war, an einem Tag des Herrn, an einem Sonntag, das Bild des erhöhten und wiederkommen­den Herrn geschaut. Es ist nur ein Bild, und er hat - auftragsgemäß - versucht, das Unaussprechliche und Majestätische der Welt Gottes in der Sprache dieser Welt anzudeuten und zu umschreiben. Das zeigt sich in dem vielfachen "wie" seines Berichtes. Die unbestreitbare Wirklichkeit, die hinter diesen Bildern steht, ist tausendmal herrlicher und schöner, als Menschenworte es sagen können. So will uns dieses Bild in seinem viel­fältigen Leuchten nur Hinweis sein auf die erhabene und im Lichtglanz der göttlichen Herrlichkeit thronende Majestät unseres himmlischen und doch allezeit gegenwärtigen Königs Jesus Christus.
Das Bild des Erhöhten
Das lange Gewand und der goldene Gürtel um die Brust sind die Kenn­zeichen für den königlichen Hohenpriester, der als himmlischer Priester­könig "in Vollendung des priesterlich königlich herrlichen Schmuckes" (Bezzel) das hohepriesterliche Amt des Fürbitters vor dem Vater wahr­nimmt (1. Joh. 2, l; vgl. Dan. 10, 5-6). Jesus, der Hohepriester, betet für uns. Welch ein Trost!
Die Augen wie Feuerflammen und die Füße wie Messing deuten auf Jesu Funktion als Richter der Welt. Seine Augen schauen durch und erkennen die tiefsten und verborgensten Zusammenhänge von Schuld und Sünde. Jesu richterliche Allwissenheit schaut uns durchdringend an. Er ist un­bestechlich. Aus seinem Munde geht das scharfe Schwert. Mit seinem Wort führt er den Kampf. So wird er Sieger. "Das Wort Gottes ist leben­dig und kräftig und schärfer denn kein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis dass es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens" (Hebr. 4, 12).

Die sieben Leuchter weisen hin auf den siebenarmigen Leuchter in der Stiftshütte und auf die sieben Leuchter, die im späteren Tempel standen. Diese Leuchter sind der einzige Lichtpunkt in der undurchdringlichen Weltnacht; "Finsternis be­deckt das Erdreich und Dunkel die Völker" (Jes. 60, 2). Die Sieben-Zahl hat sieben kleinasiatische Gemeinden im Auge: Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea und stellt die Gesamt­heit der Gemeinde Jesu dar. Jede örtliche Gemeinde darf ein Leuchter sein im Dunkel der Welt, Das ist Würde und Verantwortung zugleich.
Der Leuchter selber hat kein Licht. Das Licht ist Jesus selbst. Aber bei allen Mängeln innerhalb der Gemeinde bleibt es dabei: Der Leuchter ist von Gold. "Ihr seid teuer erkauft" (1. Kor. 6, 20) "mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes" (1. Petr. l, 19). Jesus wandelt unter den sieben Leuchtern. Das bedeutet: Der erhöhte Herr ist inmitten seiner Gemeinde hier im Dunkel der Welt. Das ist Trost. "Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende" (Matth. 28, 20). Auf allen Wegen, die seine Gemeinde in den Bedrängnissen von Verfolgung und Not gehen muss, ist Jesus dabei. In allem Dunkel will er mit dem Leuchter seiner Gnade hineinleuchten in die Welt, dass es hell wird.
Die sieben Sterne stellen die Vorsteher, Hirten oder Ältesten der einzelnen Gemeinden dar. Auch sie leuchten nicht aus sich selbst, sondern erhalten ihr Licht von Jesus und werden durch seine gewaltige Hand im Leuchten erhalten. Zweierlei sagt uns das Bild:
Die verantwortlichen Vorsteher und Hirten der Gemeinde, ganz allgemein:
Die Boten des Evangeliums sind einerseits völlig geborgen in Jesu Hand und andererseits ganz abhängig von ihm. Das Bild erinnert an Dan. 12, 3:
"Die Lehrer aber werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die, so viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich."
Das Bild des Johannes
Vor diesem himmlischen König kann Johannes nur niederfallen und zu­sammenbrechen wie ein Toter. Aber Jesus nimmt sich seiner an und legt seine rechte Hand auf ihn und spricht zu ihm: "Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes" (Offb. l, 17-18).
Auch wir können wie Johannes vor diesem Jesus nicht bestehen. Aber er neigt sich zu uns und richtet uns durch sein Wort wieder auf. Das ist der Trost. Dieser Jesus nimmt Sünder an. Es ist derselbe Herr, der am Jakobsbrunnen mit jener Frau sprach und der sie froh und frei gemacht hat. Es ist der Herr, der auch mit uns reden will. Dieser erhöhte Herr sagt: "Wer Ohren hat, der höre" (Offb. 2, 7 u. a.).



 

2. Das linke Seitenstück zeigt Begegnungen aus dem Leben mit Jesus.

Links oben: Nikodemus kommt zu Jesus (Joh. 3)
Jesus sagt dem Meister in Israel bei seinem nächtlichen Besuch: "Ihr müsst von neuem geboren werden" (Joh. 3, 7). Das ist die Geburt von oben, die nur durch den heiligen Geist geschehen kann. Aber sie ist not­wendig, sonst können wir nicht in das Reich Gottes kommen. Petrus sagt: "Wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten" (;. Petr. l, 3). Und Johannes sagt: "Alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat" (1. Joh. 5, 4).

 

 

Links Mitte: Jesus und die Samariterin (Joh. 4)


Die Frau am Jakobsbrunnen in Samarien, von der wir eingangs hörten, hat nun das Wort des Herrn Jesus gehört, hat sich die wunde Stelle in ihrem Leben zeigen lassen. Jesus hat sehr zart und behutsam, aber doch ganz massiv und deutlich mit ihr geredet, hat ihr ihre Sünde gesagt, die Sünde beim Namen genannt: "Fünf Männer hast du gehabt und den du nun hast, der ist nicht dein Mann" (Joh. 4, 18). Das war die Last ihres Lebens. Da war ihre Seele wund. Nun ist ihr der begegnet, der Sünde vergibt und Wunden heilt, der ein zerbrochenes und verpfuschtes und unreines Leben von Grund auf neu macht, der ein reines Herz schenkt, der das Denken umwandelt. Und diese Frau, die gehört hat und die sich sagen ließ, ist frei geworden von aller Last. Sie hat Vergebung empfangen und kann nun ganz froh sein. Sie ist überwältigt von dieser Freude und diesem Frieden. Sie war gekommen mit ihrem Krug, um Wasser zu schöpfen. Jetzt hat sie einen neuen Auftrag bekommen. "Da ließ das Weib ihren Krug stehen und ging hin in die Stadt und spricht zu den Leuten: Kommt, seht einen Menschen, der mir gesagt hat alles, was ich getan habe, ob er nicht Christus sei!" (Joh. 4, 28-29).
Dieselbe Frau, die am Eingang so mühselig und beladen dargestellt wird, erscheint in diesem Bild als eine, die froh geworden ist durch die Begeg­nung mit Jesus. Das kann und soll auch uns hier in diesem Gotteshaus so geschenkt werden, wenn wir kommen und hören und uns sagen lassen. Da werden wir zu Missionaren, die hingehen und andere zu Jesus ein­laden.

 

 

Links unten: Jesus, der gute Hirte (Joh. 10)


Uralt ist dieses Bild und doch ganz aktuell für uns. Der gute Hirte geht voran, die Schafe folgen ihm. Sie gehen hinter ihm her. Der Weg geht weiter. So sind wir gerufen, auf Jesu Stimme zu hören, ihm zu folgen, d. h. hinter ihm herzugehen. "Die Schafe hören seine Stimme, und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie aus. Er geht vor ihnen hin, und die Schafe folgen ihm nach, denn sie kennen seine Stimme" (Joh. 10, 3-4). In seiner Liebe zu uns opfert er in Ausübung seines ewigen Hirtenamtes sein Leben: "Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe" (Joh. 10, 12). Das hat er getan auf Golgatha. Da ließ er sein Leben für uns. Nun hat er ein Anrecht auf uns. Und er will, dass wir ganz sein eigen sind. Durch ihn kommen wir zum Vater. Er spricht: "Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden" (Joh. 10, 9). Darum lädt er ein und spricht: "Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie; und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmer mehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen" (Joh. 10, 27-28).

 

 

 

Das innere Gefälle der gemeindlichen Entwicklung lief ungewollt auf den örtlichen Gottesdienst hinaus, und es ist biblisch eindeutig klar und kann nicht anders sein, als dass alle diese einzelnen Gruppen zusammenstreben, um gemeinsam den einen Herrn zu loben, zu preisen und anzubeten. Am Sonntag Exaudi, dem 22. Mai 1955, hielten wir den ersten Kinder­gottesdienst. Welch ein Bild, als bei strahlendem Sonnenschein die Kleinen sich zum ersten Gottesdienst versammelten! Seitdem ist dieser Kinder­gottesdienst durch alle Jahre hindurch regelmäßig gehalten worden.
Am Karfreitag, 30. März 1956, feierte dann die Erwachsenengemeinde den ersten Gottesdienst im Paul-Gerhardt-Haus (in den Räumen des Kinder­gartens), zugleich mit Feier des heiligen Abendmahls, an dem hundert Abendmahlsgäste teilnahmen. Predigttext in diesem ersten Hauptgottesdienst im neuen Gemeindebezirk: "Es ist vollbracht!" (Joh. 19, 30). Seither haben wir bei den Hauptfesten und bei sonstigen besonderen Gelegen­heiten Gottesdienste im Paul-Gerhardt-Haus gehalten. Dauerlösung konnte das nicht sein. Aber es zeigte sich, dass die jahrzehntelange Sehnsucht, das Gotteswort regelmäßig in der eigenen Mitte zu hören, in verstärktem Maße nach einer Lösung suchte.
Im Mai 1958 konnte das neue Pfarrhaus fertig gestellt und bezogen werden. So wuchs das kirchliche Zentrum, und der ständige Gottesdienst am Ort wurde immer dringlicher.
Inzwischen war die Zahl der evangelischen Einwohner des Bezirks auf ca. 3500 angewachsen.
Bald reiften die ersten Vorstellungen und Pläne für ein neues Gotteshaus heran. Die Vorbereitungen konnten in Angriff genommen und durch Er­werb des angrenzenden Grundstückes von dem Landwirt August Sundermann, Hüffen, genügend Raum für eine ordentliche Planung und Lösung geschaffen werden. Die jahrzehntelange Sehnsucht von vielen treuen Ge­meindegliedern nach einem regelmäßigen Gottesdienst in einem eigenen Gotteshaus am Ort sollte in Erfüllung gehen. Sie fand in all den Jahren ihren Ausdruck in stillen Gaben und Opfern, dazu in treuem Gedenken des vielfältigen kirchlichen Dienstes und bewährte sich in Wort und Tat auf mancherlei Weise innerer und äußerer Art. Dafür danken wir allen treuen Gemeindegliedern herzlich. So hat Gott es in seiner Freundlichkeit über unser Bitten und Verstehen hinaus gefügt, dass wir nun ein so schö­nes, würdiges Gotteshaus bauen dürfen. Es ist errichtet nach den Plänen des Architekten Werner Johannsen, Osnabrück.

Das wollen wir beim Betrachten dieses Bildes bedenken, mitnehmen und still bewahren.

Herr Jesu Christ, dein teures Blut
ist meiner Seele höchstes Gut:
das stärkt, das labt, das macht allein
mein Herz von allen Sünden rein."
.
Rechts oben: Die Auferstehung Jesu (Joh. 20)


Der Tod hat Jesus nicht halten können. Die Fesseln sind gesprengt, das Grab ist leer. Das Dunkel ist licht geworden. Der helle Strahl aus der Welt Gottes fällt hinein in das Dunkel des Todes. Jesus lebt. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Wo diese Botschaft hin­kommt und gehört und geglaubt wird, da bricht die Freude durch. "Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen" (Joh. 2,0, 20). Alle Traurigkeit und Nacht in den Herzen sind verschwunden. Jesus kommt zu seinen Jüngern, er offenbart sich ihnen, er tritt mitten ein und spricht zu ihnen: "Friede sei mit euch" (Joh. 19, 19).
Dieses Bild von der Auferstehung führt dann weiter und mündet ein in das Bild des Erhöhten, wie er in dem großen Mittelfeld dargestellt ist. Und der erhöhte Christus Jesus ruft seiner Gemeinde zu: "Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben" (Offb. 2, 10) und "Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme!" (Offb. 3, 11). Diesen Mahnruf aus dem Munde unseres königlichen Herrn wollen wir beherzigen und wollen uns auf jenen Tag, an dem er kommen wird, rüsten und wollen mit der glaubenden, anbeten­den und wartenden Gemeinde aller Jahrhunderte fröhlich bekennen:
"Amen. Ja komm, Herr Jesu!" (Offb. Joh. 22, 20)

 

3. Das rechte Seitenstück
zeigt Darstellungen aus der Geschichte von dem Leiden und Sterben und Auferstehen des Herrn.

rechts unten: Die Fußwaschung Jesu (Joh. 13)
Da beweist Jesus seine Liebe zu den Jüngern, auch an dem Judas. Der Herr und Meister wäscht den Jüngern die Füße. Das ist Demut, das ist Dienst. "Denn des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zur Bezahlung für viele" (Mark. 10, 45). Dieser Geist, der zur Hingabe und zum Dienst an ändern bereit ist, soll die Jünger zieren und erfüllen. In dieser Demut, in dieser Bereitschaft zum Dienst füreinander sollen sie miteinander umgehen. "Ein Beispiel habe ich euch gegeben, dass ihr tut, wie ich euch getan habe" Joh. 13, 15). In jener letzten Nacht verpflichtet Jesus seine Jünger: "Ein neu Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, auf dass auch ihr einander liebhabet. Dabei wird jeder­mann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt" (Joh. 13, 34-35). Vor dieser Liebe, die bis zum Sterben uns treu bleibt, können wir nun still werden und uns ihr übergeben.

 

 

 

 

II. Das Tauffenster


Am Ostende des südlichen Seitenflügels hat der TAUFSTEIN seinen Platz. Er trägt die in Stein gehauenen Worte "Das Blut Jesu Christi macht uns rein von aller Sünde" (1. Joh. 1, 7). Durch die Anordnung im Seiten­schiff ist eine Art Taufkapelle angedeutet, wo auch kleinere eigene Tauf­feiern gehalten werden können.
In der südlichen Außenwand ist das TAUFFENSTER angebracht, in dem zwei Symbole besonders hervorleuchten: Die Taube als Zeichen für den heiligen Geist und die Fische als Zeichen für Christenmenschen, die im Glauben an Jesus leben.
Jesus hatte dem Nikodemus gesagt: "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir:
Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen" (Joh. 3, 5). Ohne den heiligen Geist ist kein neues Leben, keine Wiedergeburt möglich. Gott will uns den heiligen Geist schenken. Der kommt von oben herab, kommt zu uns Menschen. Das will die Gestalt der Taube uns sagen. "Und er sah den Geist Gottes gleich als eine Taube herabfahren und über ihn kommen" (Matth. 3, 16). Und Gott hat uns die Verheißung des Geistes gegeben. Sie gehört auch den Kindern, für die Jesus gestorben ist. Und das ist unsere Bitte, dass die Kinder, die hier die heilige Taufe empfangen, wahre Gotteskinder werden möchten durch das Geschenk des heiligen Geistes, dass sie wahrhaft von neuem, von oben her geboren werden. "Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden" (Mark. 16,16).
Wer getauft ist, aber die Gabe Gottes in Jesus, die Vergebung der Sün­den, nicht im Glauben an Jesus annimmt, wird trotz seiner Taufe ver­loren gehen. Aber es bleibt dabei: Das Angebot Gottes in der Gabe des heiligen Geistes bleibt in Kraft für jedermann. Möchte dieses Tauffenster, dieses Sinnbild des heiligen Geistes, die Taube, uns ständig an Gottes Gaben erinnern und uns unablässig ermahnen, das Angebot Gottes ent­schieden anzunehmen und so nach seiner Verheißung selig zu werden. Dann gilt das andere Sinnbild: Die Fische, die fröhlich im Wasser leben. Das ist das uralte christliche Symbol für Menschen, die in entschieden klarer Nachfolge Jesu stehen. In den Verfolgungszeiten im alten Römi­schen Reich konnten die Christen oft nur noch geheim zusammenkommen. Sie trafen sich in den Katakomben und lasen die Bibel und beteten mit­einander. Ihr geheimes Erkennungszeichen war das Zeichen des Fisches.
Die einzelnen Buchstaben dieses griechischen Wortes I CH TH Y S (Fisch) besagen den ganzen Inhalt des christlichen Glauben: J esus CH ristus, G ottes S ohn, S eligmacher. Das war gleichsam ihr Bekenntnis in schwerer Ver­folgungszeit. Aber hinter diesem Bekenntnis stand ihr ganzes Ja-Wort zu diesem Jesus von Nazareth, dem ihr Leben gehörte.
Wir wissen nicht, welchen Zeiten wir entgegengehen. Aber dies soll es uns sagen und bezeugen: Alle, die jemals getauft worden sind auf den Namen des dreieinigen Gottes, sollten es nie und nimmer bei der äußeren Form der Taufe belassen und in Lauheit und Trägheit und Unglauben ihren Weg gehen, sondern wie jene Christen der ersten Jahrhunderte in schwe­ren Bedrängnissen ganz bewusst Jesus annehmen, zu ihm stehen, ihm gehören, ihm folgen in Freude und Leid und bei ihm aushalten im Leben und im Sterben. So ist das Leben im Glauben gesund. So führt der Weg nach Hause.
Unsere Bitte geht dahin, dass Gottes heiliger Geist über uns komme und bei uns wohne und in uns allen Frucht schaffe, die da bleibt in Ewigkeit.

 

 

 

Die hochliegenden Fensterbänder

 

und die kleinen Fenster im südlichen Seitenschiff zeigen keine besonderen Bilder, sondern enthalten nur Ornamente in farblichen Darstellungen. Ebenso trägt die transparente Wand farbige Verglasung. Durch die hohen Fenster fällt das Licht von oben in das Kirchenschiff und gibt dem Raum, der Ruhe und Geborgenheit ausstrahlt, eine angemessene Belichtung.

 

 

V. Die Emporenbrüstung


Wenn wir so im Gotteshaus zu Füßen des Meisters gesessen und sein Wort gehört haben, wenden wir uns wieder dem Ausgang zu. Da grüßt uns im Mittelstück der Emporenbrüstung das Wort, dessen Buchstaben in Holz eingelegt sind: "Amen, ja komm, Herr Jesu!" (Offb. 22, 20). Was soll das heißen?
Die Gemeinde hat das Wort des erhöhten Herrn gehört. Dieser Jesus wird wiederkommen, zum Gericht über die Welt, zum Trost für seine ihm ver­trauende Gemeinde. Auf einem Antependium am Altar steht das Wort Jesu, des Erhöhten: "Siehe, ich komme bald" (Offb. 3, 11). Jetzt beim Hinausgehen leuchtet dieses Wort auf der Emporenbrüstung uns entgegen, das die Antwort der glaubenden und wartenden Gemeinde Jesu in dieser Welt zu allen Zeiten ist und sein wird: "Amen, ja komm, Herr Jesu!"

 

 

 

Die Gestaltung des Turmes


von Pfarrer August Spreen anlässlich der Einweihung der Johanneskirche 1962
Der Turm trägt das Kreuz auf der Weltkugel mit dem Wetterhahn.
1. Das Kreuz auf der Weltkugel
weist uns hin auf die weltumspannende Bedeutung des Kreuzes Jesu Chri­sti. "Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben" (Joh. 3, 16). Gott hat in Jesus seinen Fuß auf diese Erde gesetzt und hat sein Kreuz in unsere Erde eingegraben. An diesem Kreuze starb Jesus. Das Fluchholz, an dem zu damaliger Zeit die Verbrecher starben, ist durch Jesu Leiden und Tod und Auferstehung zum Siegeszeichen geworden. Dieser Sieg Gottes in Jesus Christus hat Gültigkeit für die ganze Welt, für alle Menschen. "Jesus ist Sieger!" will uns dies Kreuz täglich sagen. Er ist Sieger über alle Mächte im Himmel und auf Erden. Alles muss ihm zu Gebote stehen. So darf uns jeder Blick zu diesem Kreuz auf unsere Johanneskirche froh machen, weil er uns erinnert an den Sieg Jesu Christi für uns.
Am 17. Juli 1962, einem Dienstag, wurde das Kreuz auf den Turm gesetzt. Das Losungswort dieses Tages war aus dem Siegeslied des Volkes Gottes am Roten Meer:
"Der Herr ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil" (2, Mose 15, 2).
Israel hatte in härtester Bedrängnis unter Moses Führung die Hilfe Gottes erfahren: Trockenen Fußes konnte es auf gebahntem Weg durch das Was­ser gehen, gerettet vor dem nachstürmenden Feind; die Ägypter dagegen waren unter Pharaos Herrschaft in den Fluten umgekommen und vernich­tet. Pharao und seine Macht wüten bis in unsere Tage gegen den Herrn und seinen Gesalbten. Aber nun bleibt es dabei: JESUS IST SIEGER!
Die Gemeinde des Christus im Neuen Bunde darf voller Freude und Dank mit der Gemeinde des Alten Bundes bekennen: "Der Herr ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil".
So ist unserer Gemeinde jenes Losungswort von dem Tage, an dem das Siegeszeichen Jesu auf dem Kirchturm in Hüffen aufgerichtet wurde, ein Geschenk Gottes. Es ist Trost und Verheißung zugleich. Trost in Anfech­tung und Bedrängnis durch die Feinde und Verheißung des Sieges Gottes auch in unserer Zeit für den kommenden Weg.


2. Der Wetterhahn
Unsere Väter haben den Wetterhahn gern benutzt, um von der Windrich­tung her, die er anzeigt, auf die jeweils kommende Witterung zu schließen. So hatte er einen praktischen Wert. In neuerer Zeit wird dieser Dienst mehr oder weniger durch die Wettervorhersagen der einzelnen Wetter­ämter übernommen. Dennoch mag auch in unseren Tagen dieser ehemalige Dienst dieses Wetterhahnes vielen willkommen und lieb sein.
Aber der eigentliche Sinn, warum denn überhaupt christliche Gemeinden auf ihre Gotteshäuser einen Wetterhahn setzen, ist ein viel tieferer. Der Wetterhahn erinnert uns an den Hahn in der Leidensgeschichte Jesu. Der Herr hatte zu dem feurigen und selbstsicheren Jünger Petrus gesagt: "Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe denn der Hahn zwei­mal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen" (Mark. 14, 30, vgl. Joh. 13, 38). Und dann kam die böse Geschichte, wo der Jünger seinen Herrn verleugnete.
Und mitten hinein in den Ungehorsam des Petrus traf der Hahnenschrei. Gott benutzte einen Hahn, um den ungehorsamen Jünger zur Umkehr zu rufen. Dieser Hahnenschrei hat den Petrus getroffen, hat ihn erinnert an das Wort, das Jesus ihm gesagt hatte. Durch den Hahnenschrei wurde Pe­trus seines Ungehorsams überführt. Die Bibel sagt: "Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich" (Luk. 22, 62).
An diese Geschichte will uns der Wetterhahn auf der Kirchturmspitze er­innern. Wir alle gleichen dem Petrus. Wie oft mögen wir uns schon von Jesus losgesagt haben, heimlich oder öffentlich. Und wo wir den Wetter­hahn auf der Kirchturmspitze sehen, möchte uns das Gedenken an Jesu Worte so treffen, wie es einst bei Petrus war. Gott redet auf mancherlei Weise. Ein Hahnenschrei unserer Tage kann Leid, Krankheit oder Not irgendeiner Art sein. Immer will Jesus auf diese Weise mit uns reden, möchte uns anschauen, wie er den Petrus angeschaut hat, als der Hahn gekräht hatte (Luk. 22, 61).
Darum also schmücken Christengemeinden ihre Gotteshäuser mit einem Kreuz und mit einem Hahn, weil dahinter die Bitte steht: Menschen, die in dieses Gotteshaus kommen, möchten so vom Worte Gottes getroffen und vom Herrn Jesus angeschaut, erkannt und durchschaut werden, dass sie still werden und vielleicht auch hinaus gehen und gesegnete Tränen weinen. Für Petrus war es der Anfang eines neuen Weges, jetzt aber mit Jesus. So möchte auch uns die Begegnung mit dem Herrn in diesem Gotteshaus immer neu zu dem neuen Anfang verhelfen, zur ganzen Hingabe, zur ganzen Bereitschaft in der frohen Gewissheit, dass dieser Jesus Sünder, wie Petrus einer war, annimmt und sie in seinen Dienst stellt.
Und schließlich ist der Hahn das Zeichen für die Wachsamkeit. Jesus wird wiederkommen. Das hat er uns deutlich gesagt, und er mahnt uns:
"So wacht nun (denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob er kommt am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder des Morgens), auf dass er nicht schnell komme und finde euch schlafend. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wacht!" (Mark. 13, 35-37)