Weg in die Selbstständigkeit
Auf dem Weg in die Selbständigkeit der Gemeinde

Aus der Geschichte des Gemeindebezirks Hunnebrock-Hüffen-Werfen
der Kirchengemeinde Bünde

von Pfarrer Dr. Julius Prüßner 1962 zur Einweihung der Johanneskirche
Als der Pfarrer Karl Mühlenweg im Jahre 1906 starb, wurde als sein Nachfolger der Pastor August Viering von Rehme nach Bünde berufen. Während bisher die einzelnen Pfarrer mit ihren Pfarrbezirken jährlich wechselten, wurden mit dem Kommen Vierings feste Pfarrbezirke eingerichtet. Viering bekam neben einem Teil der Stadt Bünde für seine Amtszeit auch die drei politischen Gemeinden Hunnebrock, Hüffen und Werfen zugewiesen. Ihm war es klar, dass Hunnebrock, Hüffen und Werfen zur besseren Betreuung seiner Gemeindeglieder ein kirchliches Zentrum haben müsse. Er dachte an eine Kleinkinderschule und ein Gemeindehaus.

 
Ihm standen in seinen Bestrebungen vornehmlich zwei Männer zur Seite:
der Kaufmann Heinrich Ebmeier (gestorben am 26. 2. 1938) und der langjährige Vorsteher der Gemeinde Hunnebrock, Hermann Meyer, der am 23. Juli 1962 zur Ruhe gebettet wurde. Pastor Viering sammelte für dies Gemeindezentrum in den Bibelstunden und bei Hausbesuchen. Über 2030,-- RM waren zusammengekommen. Das Geld fiel aber der Inflation nach dem l. Weltkriege zum Opfer. Viering sammelte von neuem, und als er 1927 starb, waren fast 3000,-- RM als Grundstock für das neue Gemeindezentrum zusammen. Der oben erwähnte Bürgermeister Meyer hat dem Schreiber dieser Zeilen mehrmals einen 20,-- RM Schein für den Bau zur Verfügung gestellt.
Aber zum Bau eines Gemeindehauses mit Kindergarten sollte es so schnell doch nicht kommen. Die Bibel- und Frauenhilfsstunden mussten weiter in den drei Schulen gehalten werden, und größere Veranstaltungen weiter im Saale von August Meyer in der "Hucht".
Aber eine Schwesternstation wurde im Jahre 1934 für diesen Bezirk eingerichtet und im Jahre 1935 mit der Sareptaschwester Frieda Merg erstmalig besetzt. Träger dieser Station war der "Verein für Ge­meindepflege in Hunnebrock". Die vorhandenen und neu gesammelten frei­willigen Gaben wurden für die Gründung dieser Stelle verwandt. Die Gelder für die Unterhaltung der Gemeindepflegestelle mussten mit Spen­den zusammengebracht werden. Das war im ersten Jahre recht schwer. Der Segen einer Gemeindeschwester wurde aber schnell begriffen, und Schwester Frieda war in den Häusern gern gesehen und wurde oft zum Dienst gerufen.

 


Das Presbyterium Bünde beschäftigte sich mit dem Bau eines kirchlichen Gemeindezentrums für Hunnebrock-Hüffen-Werfen erstmalig im Jahre 1938. Es beschließt in seiner Sitzung vom 14. 7. 1938 auf dem der II. Pfarre gehörigen, neben dem Hunnebrocker Friedhof liegenden Grund­stück für die drei Gemeindebezirke Hunnebrock, Hüffen und Werfen ein Gemeindehaus zu errichten. Architekt Wedegärtner soll für diesen Bau einen Kostenvoranschlag anfertigen. Von einem einfachen Räume mit etwa 200 Sitzplätzen soll ein kleiner Raum mit etwa 60 Plätzen abgeteilt werden. In dem Gemeindehaus soll auch eine Wohnung mit 3 Räumen für die Gemeindeschwester errichtet werden. In der Sitzung des Presbyteriums vom 25. 5. 1939 werden die Vorschläge von Architekt Wedegärtner besprochen. Das Presbyterium beschließt, "das Gemeindehaus mit einem kleinen, den Vorschriften entsprechenden Luftschutzkeller zu versehen und außerdem das ganze Gebäude zu unterkellern. Das entspricht dem Voranschlag in Höhe von Reichsmark 27 600,--." Am 8. September 1939 teilt der Architekt Wedegärtner dem Presbyterium mit, dass der Bauan­trag für dieses Gemeindehaus nur dann überhaupt Aussicht auf Erfolg haben könne, wenn bescheinigt werde, dass das erforderliche Bauholz vor­handen sei und nicht aus kontingentierten Beständen stamme. Da aber von Seiten der Kirchengemeinde dieser Nachweis nicht zu erbringen war, sah er davon ab, den förmlichen Bauantrag, da ohne Aussicht, einzureichen. Es ist gut, dass dieser Bau nicht zur Ausführung gekommen ist. So müssen wir heute rückschauend sagen.
1939 begann der unglückliche 2. Weltkrieg. Die kirchliche Arbeit wurde erschwert und behindert. Das wurde erst nach 1945 anders. Es kam die Zeit des "Wirtschaftswunders". Sofort wurden zwei Räume im Hause der Witwe Elise Dunklau, Hunnebrock Nr. 33, vom Presbyterium angemietet und behelfsmäßig als Kindergarten eingerichtet. Die erste Leiterin war die Diakonisse Ida Indermark. Nun geht es mit dem Ausbau der Ge­meinde schnell voran. Mit der Errichtung der 6. Pfarrstelle (Hunnebrock-Hüffen-Werfen) wird mit dem seit Jahrzehnten geplanten Bau eines Gemeindezentrums nicht mehr gezögert. Die gesunde Weiterent­wicklung des Gemeindelebens in diesem Bezirk durfte nicht mehr gestört werden. Es geht um das geeignete Grundstück. Endlich, nach manchen Verhandlungen, wird es gefunden. Es liegt in der geographischen Mitte der drei Gemeinden, neben der so genannten "Sankerschen Leibzucht". Hier ist die höchste Erhebung des Gemeindebezirks. Das neue Gelände ist fast doppelt so groß wie das erste von dem Bauern Erdbrügger hierfür erworbene Grundstück. Dort konnte ohne weiteres Kindergarten mit Ju­gendraum und später eine Kirche gebaut werden. Ein neuer Bauplan für das Gemeindehaus, das den Namen "Paul-Gerhardt-Haus" er­hält, wird von dem Architekten Breitenkamp, dem Kirchmeister der Ge­meinde, dem Presbyterium vorgelegt und in der Sitzung vom 13. 10. 1952 genehmigt. Das neue Gemeindehaus enthält einen Kindergarten, einen größeren Raum für Bibelstunden, Konfirmandenunterricht, Frauenhilfsstunden etc., zwei Jugendräume, zwei Schwesternwohnungen und eine Wohnung für den Hausmeister. Dieses schöne und praktisch eingerich­tete Haus ist für den Preis von 131 532,37 DM erstellt worden. Am 4. April 1954 ist es "in Betrieb genommen".
Der Pfarrer Spreen, der bisher in einer Mietswohnung an der Eschstraße wohnte, zog am 16. Mai 1958 in sein neben dem Paul-Gerhardt-Haus ge­legenes, nach den Plänen des Architekten Breitenkamp errichtetes Pfarr­haus ein. Alles ist organisch geworden, nichts ist künstlich herbei­geführt."
Die gelegentlichen Gottesdienste, die bisher im Paul-Gerhardt-Haus ge­halten wurden, werden vom 2. Advent 1962 ab sonntäglich in der neuen Kirche gefeiert werden. Der Baumeister dieser Kirche ist der Architekt W. Johannsen in Osnabrück. Der Bau kann als "gelungen" bezeichnet werden.
Möge in dieser Kirche immer wieder Gottes Erbarmen gepredigt und an­gerufen werden, und mögen viele Gemeindeglieder den finden, der aus freier Gnade den Sünder gerecht spricht. Von Schuld ist der Mensch befleckt, im Akt des Erbarmens Gottes in Christus ist er rein, wenn Gott so will.

 

Auf dem Weg zum Bau der Johanneskirche

von Pfarrer A. Spreen anlässlich der Einweihung der Johanneskirche 1962
Seit Jahrhunderten sind unsere drei politischen Gemeinden Hunnebrock, Hüffen und Werfen in die Bünder Gemeinde eingegliedert; und während dieser ganzen Zeit ist der kirchliche Dienst von Bünde aus versehen wor­den. Erst mit dem Anwachsen der Einwohnerzahl nach dem zweiten Krieg erwies sich in immer stärkerem Maße eine eigene Arbeit inmitten dieser drei Gemeinden als notwendig. Schon lange Jahre hindurch sind Bibel­stunden gehalten in den Schulen und den Häusern hin und her. Zusam­menschlüsse im Missionsverein (1909), in der Ev. Frauenhilfe (1911), der Landeskirchlichen Gemeinschaft (1926), dem Männerdienst (1934) und die Begründung der Gemeindeschwesternstation (1934) förderten das Eigen­leben in den drei Gemeinden in starkem Maße und stärkten das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Die Jugendarbeit der jungen Männer und jungen Mädchen war eingegliedert in die Arbeit in Bünde. Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Arbeit in all diesen Kreisen und Gruppen organisch und gesund. Es wurde bald vom Presbyterium der Kirchen­gemeinde Bünde das Ziel ins Auge gefasst, in den drei Gemeinden Hunne­brock, Hüffen und Werfen ein kirchliches Zentrum zu schaffen. Weder ein Grundstück noch ein Raum waren als Eigentum der Kirchengemeinde vorhanden.

Den Anfang machte der Kindergarten, der in gemieteten Räumen des Hauses Dunklau, Hunnebrock Nr. 33, untergebracht war und nach dem Zusammenbruch von der Kirchengemeinde als kirchlicher Kindergarten übernommen wurde. Dort fanden auch die ersten selbständigen Zusam­menkünfte der Jugend statt.
Mit dem 1. April 1951 wurden die drei Gemeinden Hunnebrock, Hüffen und Werfen zu einem selbständigen Hilfspredigerbezirk zusammenge­schlossen ,der mit dem 1. Dezember 1951 ein selbständiger Pfarrbezirk wurde. Voraussetzung für die Schaffung des geplanten kirchlichen Ge­meindezentrums war nun aber ein geeignetes Grundstück. Mancherlei Ver­suche, ein solches zu beschaffen, wurden unternommen, aber alle Hoff­nungen und Aussichten wurden immer wieder zunichte, bis im Jahre 1953 ein zentral gelegenes Grundstück in Hüften von Frau Lina Kuhle, geb. Sanker, erworben werden konnte.
Nun konnte ein Gemeindehaus gebaut werden (April 1954), das den neuen Kindergarten, den Gemeindesaal, die beiden Jugendräume und die Schwe­stern- und Hausmeister-Wohnung beherbergte. In diesem Paul-Gerhardt-Haus hatten nun alle Gruppen und Vereine ihre Heimat gefunden, und so konnte sich ein munteres und vielfältiges Leben nach allen Seiten hin entwickeln: Die Kleinen im Kindergarten, die Kinder im Unterricht, die Jugendlichen in den verschiedenen Jugendstunden und die Erwachsenen in der regelmäßigen Bibelstunde am Donnerstagabend. Dieses Paul-Ger­hardt-Haus ist unserer ganzen Gemeinde in all den Jahren zum stillen und reichen Segen geworden.

Das innere Gefälle der gemeindlichen Entwicklung lief ungewollt auf den örtlichen Gottesdienst hinaus, und es ist biblisch eindeutig klar und kann nicht anders sein, als dass alle diese einzelnen Gruppen zusammenstreben, um gemeinsam den einen Herrn zu loben, zu preisen und anzubeten. Am Sonntag Exaudi, dem 22. Mai 1955, hielten wir den ersten Kinder­gottesdienst. Welch ein Bild, als bei strahlendem Sonnenschein die Kleinen sich zum ersten Gottesdienst versammelten! Seitdem ist dieser Kinder­gottesdienst durch alle Jahre hindurch regelmäßig gehalten worden.
Am Karfreitag, 30. März 1956, feierte dann die Erwachsenengemeinde den ersten Gottesdienst im Paul-Gerhardt-Haus (in den Räumen des Kinder­gartens), zugleich mit Feier des heiligen Abendmahls, an dem hundert Abendmahlsgäste teilnahmen. Predigttext in diesem ersten Hauptgottesdienst im neuen Gemeindebezirk: "Es ist vollbracht!" (Joh. 19, 30). Seither haben wir bei den Hauptfesten und bei sonstigen besonderen Gelegen­heiten Gottesdienste im Paul-Gerhardt-Haus gehalten. Dauerlösung konnte das nicht sein. Aber es zeigte sich, dass die jahrzehntelange Sehnsucht, das Gotteswort regelmäßig in der eigenen Mitte zu hören, in verstärktem Maße nach einer Lösung suchte.

 

 

Im Mai 1958 konnte das neue Pfarrhaus fertig gestellt und bezogen werden. So wuchs das kirchliche Zentrum, und der ständige Gottesdienst am Ort wurde immer dringlicher.
Inzwischen war die Zahl der evangelischen Einwohner des Bezirks auf ca. 3500 angewachsen.
Bald reiften die ersten Vorstellungen und Pläne für ein neues Gotteshaus heran. Die Vorbereitungen konnten in Angriff genommen und durch Er­werb des angrenzenden Grundstückes von dem Landwirt August Sundermann, Hüffen, genügend Raum für eine ordentliche Planung und Lösung geschaffen werden. Die jahrzehntelange Sehnsucht von vielen treuen Ge­meindegliedern nach einem regelmäßigen Gottesdienst in einem eigenen Gotteshaus am Ort sollte in Erfüllung gehen. Sie fand in all den Jahren ihren Ausdruck in stillen Gaben und Opfern, dazu in treuem Gedenken des vielfältigen kirchlichen Dienstes und bewährte sich in Wort und Tat auf mancherlei Weise innerer und äußerer Art. Dafür danken wir allen treuen Gemeindegliedern herzlich. So hat Gott es in seiner Freundlichkeit über unser Bitten und Verstehen hinaus gefügt, dass wir nun ein so schö­nes, würdiges Gotteshaus bauen dürfen. Es ist errichtet nach den Plänen des Architekten Werner Johannsen, Osnabrück.

 

Daten aus der Geschichte des Gemeindebezirkes Hunnebrock-Hüffen-Werfen
Seelsorger dieses Gemeindebezirks waren:
bis 1906 Pastor Karl Mühlenweg
1906 - 1927 Pastor August Viering
1927 - 1951 Pastor Lic. Julius Prüßner
1.4. 1951 Die drei politischen Gemeinden Hunnebrock, Hüffen und und Werfen werden zu einem selbständigen Hilfsprediger-Bezirk zusammengeschlossen. Pastor August Spreen wird als Hilfsprediger in den neuen Bezirk entsandt.
1.12. 1951 Die drei Gemeinden werden ein selbständiger Pfarrbezirk: Hunnebrock-Hüffen-Werfen, mit fester Pfarrstelle, Pfarr­bezirk VI der Kirchengemeinde Bünde.
24. 3. 1952 Wahl des ersten Gemeindepastors für den neuen Pfarrbezirk in der Laurentiuskirche in Bünde, Pastor August Spreen.
15. 6. 1952 1. So. n. Trinitatis: Einführung des gewählten Pastors in der Pauluskirche für den VI. Pfarrbezirk: Hunnebrock-Hüffen-Werfen. 2. Kor. 5, 17-21
27.6. 1953 Grundsteinlegung des Gemeindehauses Psalm 118, 22-23
4.4. 1954 So. Judika: Einweihung des Paul-Gerhardt-Hauses Psalm 84
22.5. 1955 So. Exaudi: 1. Kindergottesdienst im Paul-Gerhardt-Haus Matth. 28, 16-20
30. 3. 1956 Karfreitag: 1. Hauptgottesdienst im Paul-Gerhardt-Haus Johannes 19, 30
16.5. 1958 Das neue Pfarrhaus wird bezogen.
9.2. 1961 Das Presbyterium der Kirchengemeinde Bünde beschließt, den Architekten Werner Johannsen, Osnabrück, mit der Planung und Durchführung des Kirchbaus zu beauftragen.
26.5. 1961 Das Presbyterium beschließt den Bau der Johanneskirche.
21.10. 1961 Beginn der Bauarbeiten der Johanneskirche, 1. Spatenstich Jes. 66, 1-2
3.12. 1961 Advent: Grundsteinlegung der Johanneskirche Matth. 21, 3; 2. Mose 20, 24b
27.6. 1962 Richtfest der Johanneskirche Jesaja, 2, 2- 3; Psalm 106,1
17. 7. 1962 Das Kreuz auf der Weltkugel mit dem Wetterhahn wird auf den Kirchturm gesetzt. Losung des Tages: 2. Mose 15, 2
9.12. 1962 2. Advent: Einweihung der Johanneskirche.
20.12. 1962 Einbau der Turmuhr durch die Firma Korfhage und Söhne
5.9. 1963 Glockenguss im Beisein von Gemeindegliedern durch die Firma Petit und Edelbrock
5.10. 1963 Einholung der Glocken von den Gemeindegrenzen durch die Gemeinde
24.12. 1963 Einweihung der vier gestifteten Glocken durch Sup. Bartelheimer Lk.2,14
24./25.1.1964 Anbringung der Hämmer zum viertelstündlichen und stündlichen Glockenschlag
23.7. 1967 Einweihung der Orgel durch Präses D. Wilm Ps. 34,2-9